Auf SPIEGEL ONLINE erschien heute ein Artikel über “Mailflut und Handyterror - Bürowahnsinn bringt Unternehmen um Milliarden” (der reißerische Titel läßt Vorsicht hinsichtlich der Qualität des Artikels aufkommen; Ironie: in den Artikel eingebettet findet sich eine Anzeige für den neuen BlackBerry). Im Text findet sich ein u.a. Hinweis auf die Arbeit der Wissenschaftlerin Gloria Mark, die sich mit Unterbrechungen in der Alltagsarbeit beschäftigt.
Gräbt man zum Thema nur ein wenig tiefer (im Netz), dann findet sich im digitalen Archiv der New York Times (NYT) ein älterer Artikel - Meet The Life Hackers von Clive Thompson (bereits am 16. Oktober 2005 publiziert!), der viel differenzierter über die in SPIEGEL ONLINE-Artikel erwähnte Wissenschaft der Unterbrechungen - the science of interruptions - berichtet. Hier wird die Arbeit nicht nur von Gloria Mark, sondern auch weitere Forschungsansätze vorgestellt (dieser ausführliche Artikel wird hiermit ausdrücklich zur Lektüre empfohlen!).
Einige der Kernaussagen:
- Information is no longer a scarce resource - attention is.
- “continuous partial attention”: we are so busy keeping tabs on everything that we never focus on anything
- Researchers find that 40 percent of the time, workers wander off in a new direction when an interruption ends, distracted by the technological equivalent of shiny objects.
- unless the task you’re doing is visible right in front of you, you will half-forget about it when you get distracted, and it will nag at you from your subconscious.
Wie so oft unterscheiden sich die New York Times und der SPIEGEL (hier SPIEGEL ONLINE) in ihren Schlussfolgerungen - und die NYT vermeidet den unvermeidlichen pessimistischen Unterton des SPIEGELs (zur Ehrenrettung sei darauf hin gewiesen, dass die SPIEGEL ONLINE Artikel sich Thematisch stärker mit den FolgeKOSTEN des Phänomens beschäftigt und daher nicht direkt mit dem Artikel in der NYT vergleichbar ist…).
Der NYT-Artikel heißt vor allem deshalb “Meet the Life Hackers”, weil er konkrete Hilfen aufzeigt und weitere Querverweise liefert, mit denen jeder Leser nach seinen persönlichen life hacks suchen kann, um die eigene Arbeitssituation zu verbessern. Und es zeigt sich, dass wir uns bereits durch eine größere Disziplin und wenige einfache Grundprinzipien (z.B. David Allens “Getting Things Done”) wappnen können.
Natürlich forschen auch die Anbieter von Hard- und Software weiter, um uns die Lösungen zu bringen, die wir ohne ihre vorherigen Produkte vermutlich nicht hätten. In Zukunft soll unsere Produktivität z.B. durch den Einsatz größerer Bildschirme verbessert werden (für größere Übersichtlichkeit) und als weitere Hebel werden diverse Software-Tools entwickelt - bis hin zum Computer, der uns beobachtet und belauscht, um uns dann artgerecht mit Arbeit zu versorgen.
Wir bleiben achtsam…