Qualitätskriterien für Coaching? Das Manager Magazin sieht die “Rückkehr der Scharlatane”
Mittwoch, März 7th, 2007Das aktuelle Manager Magazin (03/2007) beschäftigt sich mit der „Rückkehr der Scharlatane“ im Bereich des Coachings. Zusammenfassend: wieder eine Chance vertan, innerhalb eines einflussreichen Wirtschaftsmagazins eine lesbare, fundierte und aktuelle Einschätzung des Instruments Coaching zu liefern. Statt dessen das Aufwärmen alter Teebeutel – Scharlatane, Esoterik, abseitige Trainings, Grenzüberschreitungen. In einem Magazin, das ansonsten auf die reinigenden Kräfte des Marktes setzt, wird wieder einmal das Fehlen einheitlicher (Zentraler?) Qualitätskriterien für Coaching beklagt.
Meine These: die Evolution ist grausam – und wird es schon richten. Zahlreiche Unternehmen haben längst Kriterien verfasst, nach denen Berater und Coaches ausgesucht werden (wie das MM auch erwähnt). Ich vermute, dass diese Filter längst für Marktklärung sorgen. Im übrigen habe ich auch kein Mitleid mit solchen Organisationen oder einzelnen Führungskräften, die Ihre Betreuer nicht kritisch, sondern fahrlässig aussuchen – eine pragmatische Prüfung, verbunden mit einer kritischen Grundeinstellung, sollte doch fast immer ausreichen, um sich vor Scharlatanen zu schützen.
Meine Minimalempfehlungen für Auswahlkriterien decken sich mit denen, die im MM vom anerkannten Experten Ch. Rauen (vgl. dort S. 156) genannt werden, gehen aber darüber hinaus:
- Vorcheck: treffen Sie eine kritische Vorauswahl, holen Sie vertrauliche Auskünfte ein, fragen Sie nach Referenzpersonen (und sprechen Sie mit ihnen), noch bevor Sie einen Coach treffen – und tun Sie dies gründlich! Schicken Sie zusätzlich eine Liste von Fragen, die ein potentiell für Sie Tätiger vor einem Treffen schriftlich beantworten sollte (u.a. Methoden, wissenschaftliche Kriterien, Qualifikation und Erfahrung des Coaches).
- Vorgespräch: machen Sie sich anhand eines strukturierten Fragenkatalogs ein konkretes Bild, am besten von mehreren Anbietern, die Sie auf Tauglichkeit prüfen – Sie treffen eine zentrale Personalentscheidung! Legen Sie selbst fest, an welchen Stellen Sie die Gesprächsführung innehaben wollen. Checken Sie detailliert, ob es eine Vertrauensgrundlage gibt, wie die Erfolgskriterien gesetzt werden und welche Spielregeln bei Störungen gelten sollen. Vertrauen Sie Ihrem Gefühl, wenn die Wellenlänge nicht stimmt.
- Passgenauigkeit: es kann notwendig sein, dass ein Coach Branchenkenntnisse mitbringt – prüfen Sie diese; mit Sicherheit ist es notwendig, dass der Coach Zielgruppenkenntnisse hat; d.h. er oder sie sollte die spezifische Situation des Klienten aus anderen, vergleichbaren Coachings kennen: Was kennzeichnet den Arbeitsalltags eines Vorstands oder Geschäftsführers?
- Vereinbarungen: dringend empfehle ich, Kriterien für das Coaching zu vereinbaren: Wie lauten die Ziele? Wie ist der Zeitrahmen? Welche Erfolgskriterien sollen gelten? Wann sollte das Coaching beendet werden? Setzen Sie auch Zeitpunkte für Zwischenchecks und Zielkorrekturen. Sollen auch Personen aus dem Umfeld mit einbezogen werden? Legen Sie die Vereinbarungen schriftlich fest.
- Kontrolle: Führen Sie für sich selbst eine Art Coaching-Tagebuch und bleiben Sie Herr des Verfahrens. Kontrollieren Sie von sich aus die Einhaltung von Spielregeln. Überprüfen Sie, welche Fortschritte Sie machen. Brechen Sie den Prozess ab, wenn Sie gravierende Verletzungen der Spielregeln erkennen. Reflektieren Sie den Prozess ggf. mit unabhängigen Dritten.
Meine grundsätzliche Skepsis gegenüber der Flut von Coaches, die derzeit über Ausbildungen auf den Markt drängen, finde ich durchaus im MM-Artikel wieder (siehe dort auch den Verweis auf Stefan Kühls Coaching-Studie). Kritisch wird es in solchen Fällen, in denen der Inhaber oder Vorstand einer Organisation einem bestimmten Berater oder Coach quasi verfallen ist (auch das erwähnt das MM); hier ist unter Umständen der interne Widerstand der restlichen Führungsmannschaft gefragt. Ich setze darauf, dass die Organisationen wie auch die Führungskräfte selbst ihre Qualitätskriterien aufstellen und durchsetzen. Das sollte für eine Reinigung sorgen. (Mehr dazu auf meinen Internetseiten -> www.bensmann.org/coaching.html).