Archive for Januar, 2007

PowerPoint - ohne Bullets

Mittwoch, Januar 24th, 2007

Bereits Edward Tufte hatte festgestellt, dass der Einsatz der Präsentationssoftware PowerPoint (und ähnlicher Software) eher zur Verunklärung beitragen kann - und soll (PowerPoint is evil, Artikel in WIRED).
Dass die so beliebten Aufzählungspunkte im Englischen trefflich “bullets”, also Kugeln, genannt werden, macht Sinn und Zweck vermeintlich niederstreckender Argumente auf den Folien noch deutlicher.

In dem bereits 2005 erschienenen Handbuch Beyond Bullet Points zeigt Cliff Atkinson, dass es auch anders geht. Sein Ansatz: ein Drehbuch erstellen, um dann eine Geschichte zu erzählen. Schritt für Schritt erläutert er, wie ansprechende Präsentationen erstellt werden. Atkinson stellt auf seinen Internetseiten zusätzliches Material zur Verfügung - z.B. Vorlagen für Storyboards. Das Buch sollte eine Pflichtlektüre für Manager sein. Cover Atkinson

Erfolgreiches Coaching: weniger Zeit mit dem Klienten, mehr Zeit mit dessen Kollegen verbringen

Mittwoch, Januar 3rd, 2007

Wieso versanden Coachingmaßnahmen? Weshalb werden angestrebte Ziele nicht erreicht? Neben handwerklichen Fehlern (keine klaren Spielregeln, keine realistischen Ziele) machte der amerikanische Coach Marshall Goldsmith nach zwölf Jahren Praxis die Erfahrung, dass das Coaching erst dann wirkungsvoll sein kann, wenn die Mitarbeiter und Kollegen im direkten Umfeld der gecoachten Führungskraft einbezogen werden (der Artikel Where the Work of Executive Coaching Lies, auf den ich mich hier beziehe, kann auf dieser Seite herunter geladen werden).
Goldsmith untersuchte mithilfe einer großen Befragung, ob die Teilnehmer von Coachingmaßnahmen tatsächlich effektiver als Führungskräfte wurden, und zwar im Bild ihrer Kollegen. Die Ergebnisse waren, so Goldsmith, sehr klar: Die Führungskräfte hatten in den Coachings klare Ziele für ihre Entwicklung gesetzt und diese mit den Kollegen abgestimmt – aber nur diejenigen hatten sich signifikant verbessert, die sich immer wieder mit ihren Kollegen zusammengesetzt hatten und tournusgemäss Rückmeldungen eingeholt hatten. Goldsmith: „I began to realize that my coaching clients could learn more from their coworkers than they could learn from me!“
Goldsmith weist darauf hin, dass er in der weiteren Arbeit allerdings auch bemerkte, dass eine Hürde darin besteht, dass die „Coworker“, also die Kollegen und Mitarbeiter des Gecoachten, sehr oft an ihrem stereotypen Bild festhielten – selbst wenn die Führungskraft sich für außen stehende sehr wohl erkennbar verändert hatte. Für seine eigene Coachingmethodik entwickelte Goldsmith daher folgendes Verfahren:
Nachdem die „Coworker“ im Rahmen des Coachingprozesses ausgewählt wurden, führt er mit jedem (bzw. jeder) ein langes, teilstrukturiertes Gespräch, bei dem er sich vorstellt, das Verfahren erläutert und u.a. folgende Fragen, die auch den Boden für die Integration in den Coachingprozess bereiten sollen, stellt (Übersetzung BB):

  • Können Sie die Vergangenheit loslassen?
  • Schwören Sie, die Wahrheit zu sagen?
  • Können Sie positive und unterstützend dabei sein, dass sich mein Klient verbessert – nicht zynisch, kritisch (im Sinne von ‚mäkelig’, BB) oder wertend?
  • Können Sie etwas auswählen, was Sie selbst verbessern wollen und Ihren „Bereich für Verbesserung“ mit meinem Klienten diskutieren?

Goldsmith betont, dass er auf diese Weise mehr Zeit mit den Kollegen des Gecoachten als mit diesem selbst verbringt.

Steg

Lässt sich dieses Vorgehen – welches Goldsmith als grundlegend für das Coaching von hierarchisch hoch stehenden Führungskräften ansieht – auch für den westeuropäischen und deutschen Raum anwenden? Einerseits bestätigt meine eigene Coachingerfahrung (seit dem Ende der 80er Jahre), dass eine isolierte dyadische Situation – Coach und Führungskraft – vielfach zu einem abgeschlossenen System führt, welches notwendige Informationen aus dem eigentlichen System des Gecoachten ausblendet. Wie soll der Coach wissen, ob die geschilderten Wahrnehmungen seines Klienten „stimmen“ – wenngleich sie stimmig klingen können? Ich habe vielfach festgestellt, dass erst (vorher vereinbarte) Kontakte zum beruflichen Umfeld der Führungskraft die notwendigen Einschätzungen geliefert haben, um den Klienten zur Not auch mit dem Recherchierten zu konfrontieren.
Andererseits habe ich auch Krisensituationen von Führungskräften erlebt, die zunächst unbedingt in absoluter Vertrautheit bearbeitet werden mussten.

Dennoch bleibt das Vorgehen von Goldsmith ein grundsätzlich richtiges Verfahren – und sollte, wenn möglich, auch in den Coaching-Fahrplan integriert werden.

WIRKSAME Vorsätze für das neue Jahr

Dienstag, Januar 2nd, 2007

Um den persönlichen Plänen für das kommende Jahr auch Nachdruck zu verleihen, bietet es sich an, diese SCHRIFTLICH zu formulieren. Warum dies hilft, legen Martens und Kuhl in ihrem Buch Die Kunst der Selbstmotivierung dar. Julius Kuhl, Professor für Differentielle Psychologie und Persönlichkeitsforschung, greift dabei auf aktuelle Erkenntnisse der Hirnforschung und der experimentellen Psychologie zurück:

Wie motiviert man sich für eine neue Einstellung?

Wenn Sie Gelegenheit haben, einen Aufsatz zu der von Ihnen gewünschten (neuen) Einstellung zu schreiben, so ist das sicher ein sehr wirksamer Weg, sich selbst zu überzeugen. Auch wenn das, was Sie schreiben, nicht veröffentlicht wird, wenn es sich nur um einen Tagebuchauszug oder einen ausführlichen Brief handelt, so werden die Überlegungen, die Sie dabei anstellen, Sie nicht unbeeinflusst lassen. Das schriftliche Ausarbeiten einer solchen Position hat zwei Vorteile: Einmal werden die Argumente durch das Aufschreiben besser ausgearbeitet und zum anderen werden Sie selbst (genauer: Ihr „Selbst“) aktiv.

Wenn Sie selbst aktiv sind, so bedeutet das psychologisch, dass Ihr „Selbstsystem“ an der Formulierung eines Standpunktes beteiligt ist, so dass dieser Standpunkt dann leichter in Ihr Selbstsystem integriert werden kann und mögliche Gegenargumente ausgeräumt werden können. Sobald das geschehen ist, wird der neue Standpunkt durch sämtliche Funktionsvorteile des Selbstsystems unterstützt: Er hat Ihre volle emotionale Unterstützung (das rechtshemisphärische Selbstsystem ist viel stärker mit Emotionen vernetzt als das linkshemisphärische Denken), Sie können sich leichter selbst motivieren, wenn einmal die Motivation, den neuen Standpunkt zu vertreten, nachlässt (Selbstmotivierung ist eine der Funktionen des Selbstsystems), und Sie können sich selbst besser verteidigen, wenn Sie einmal wegen Ihres Standpunktes kritisiert werden oder unangenehme Erfahrungen machen (die durch Kritik ausgelösten negativen Gefühle können durch die Selbstberuhigungsfunktion des Selbstsystems reduziert werden).

(aus: Jens Uwe Martens und Julius Kuhl: Die Kunst der Selbstmotivierung. Neue Erkenntnisse der Motivationsforschung praktisch nutzen, Stuttgart 2005, 2., aktual. und erw. Aufl., S. 94)

Aus eigener Erfahrung als Coach und Organisationsberater kann ich die experimentell gewonnenen Erkenntnisse nur bestätigen; deshalb halte ich es für sehr förderlich, als Teil der Selbstführung eigene Ziele auszuformulieren und im Dialog weiter zu entwickeln. Schriftliche Formulierung und Präzisierung im Gespräch fördern das Unternehmertum in eigener Sache (es gilt mein Spruch: lieber Unternehmer als Unternommener…).